logblog – donaufahrt von melk ans schwarze meer – finale: delta und schwarzes meer

24/25/26/27/28. Juli

 

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0 km bis zum schwarzen meer, wir haben es geschafft, wir haben es einfach gemacht, 2038 km hinunterzählen von unserem startpunkt unterhalb vom stift melk. 2038 km am fluss, im fluss. zum schluss in seemeilen zählen (da der sulinakanal auch von hochseeschiffen befahren wird) dann in sulina am schwarzen meer die null. ein schild wie all die anderen nur eben eine null. ankunft am 26. Juli in den frühen abenstunden, 48 tage, nachdem wir in melk aufgebrochen sind. trotzdem sind wir noch lange nicht am schwarzen meer, bis dahin sind es ca. noch weitere 6 seemeilen. die strecke ersparen wir uns allerdings. die donau wächst nämlich aufgrund der schwebstoffe, die sie mitführt jährlich um 40 m. deshalb ist die null natürlich schon veraltert, aber weil man nicht jedes jahr alle kilometerschilder entlang der donau abschrauben und erneuern will, zählt man von 0 einfach wieder hinauf. und am ende ist dann noch ein langer damm ins meer hinein, um den kanal vor versandung zu schützen. und da kann es hohe wellen geben. deshalb haben wir dann nach symbolträchtigen nullerfotos im hafen von sulina angelegt und sind am nächsten tag mit dem fahrrad an den strand gefahren und ins meer gelaufen.

 

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sulina ist eine kleine runtergekommene stadt  am rande des deltas, ohne straßenanschluss und nur über wasser zu erreichen. früher war sie mal eine große metropole mit 28 konsulaten,  nach jahren des niedergangs kommt wieder mehr leben in die stadt durch den deltatourismus. an der hafenpromenade sind aber jetzt wir die große attraktion, unser boot ist durchgehend von staunendem publikum umgeben und wird laufend fotografiert. eine gruppe von holländern kann es gar nicht fassen. holländer lieben bekanntlich hausboote und camping, deswegen ist camping am wasser für sie anscheinend die ultimative vereinigung höchsten glücks und und unser boot somit eine art schwimmendes nirvana für sie. die plus 50 frauen sind zumindest reihenweise aus ihren trekkingsandalen gekippt und haben andächtig staunend das deck betreten.

 

empfangen hat uns im hafen christian, ein tourist guide und maler aus sulina, temperamentsmäßig auf naturspeed, der uns die stadt und das leben erklärt, mit uns essen geht, uns zeigt, wie man die sardinen zu essen hat und mich danach in sein atelier einlädt. es ist, stellt sich heraus, das kinderzimmer bei seiner mutter. seine bilder sind vor allem nackte frauen, die sich in fische verwandeln oder umgekehrt.

 

den nächsten tag verbringen wir also am strand und besteigen den alten leuchtturm. während ich mich abends früh zurückziehe, crashen lena und rainer noch eine rumänische hochzeit und werden durchgehend mit shots abgefülllt und sind dementsprechend – der plan war, zwischen fünf und sieben aufzustehen und eine morgenfahrt nach mila 23 zu machen ­– spät aus dem bett zu bekommen.

 

mila 23 ist ein dorf mitten im delta, die orte werden hier teilweise nach den donaumailen benannt. es ist die erste etappe auf unserer rückfahrt stromaufwärts nach tulcea. da es keine straßenanbindung in sulina gibt, müssen wir nämlich zurück nach tulcea und dort die reise beenden, das boot zerlegen und in einen lkw nach wien verladen.

 

moment wie sind wir überhaupt von tulcea nach sulina gekommen?

 

wir bleiben vor unserer letzten etappe insgesamt zwei tage in tulcea, liegen an der republica, an einem in linz gefertigten alten raddampfer, der jetzt ein schickes restaurant ist. der käptn lässt uns in seiner kajüte duschen. in tulcea holen wir verschiedene informationen ein, welche kanäle wir im delta  befahren können, doch die meisten meinen, unser boot sei zu groß für die meisten kanäle und so bleibt nur der hauptarm nach sulina, einer der drei donauarme ans schwarze meer, der auch für die hochseeschiffahrt genutzt wird und ein dementsprechend uninteressanter begradigter kanal ist. allerdings können wir auf der sogenannten alten donau einen kleinen umweg machen und erleben hier schon die schönheit der engen von bäumen gesäumten kanäle, schilfweiten, seerosenseen – und unsere ersten pelikane. was für tolle vögel. also wenn der storch die concorde ist, dann ist ein pelikan ein airbus. groß und elegant, mit wenig flügelschlägen erhebt er sich aus dem wasser, mächtig und leicht zugleich.

 

auf der rückfahrt fahren wir über einen anderen teil der alten doanu nach mila 23, ein wunderschöner ort mitten im schilf, ums wasser gebaut. am weg dorthin lasse ich mich in einem schwimmreifen von bipa an das boot angebunden durch die nebenarme der donau ziehen. in mila 23 finden wir einen guide, der uns am nächsten tag einen weg durchs delta zeigt, somit ersparen wir uns, stundenlang durch den sulinakanal stromaufwärts zu quälen.

 

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und so erleben wir noch eine traumschöne fahrt durch die deltalandschaft und sehen unvorstellbar viele verschiedene vögel. es ist ein vogelreich, eine andere welt, die nichts mit der menschenwelt zu tun hat. wir sehen überall pelikane, komorane, unterschiedlichste möwen- und reiherarten und sogar einen seeadler. alles ist leicht und fliegt über schilf und bäume, wir durchmessen einen tag lang das verzweigte kanalsystem, liegen in der hängematte, gehen baden, kochen, laurentio, unser guide sitzt die meiste zeit am steuer, raucht zigaretten und versucht sich auf russisch mit mir zu unterhalten. um uns weite und natur, außer ein paar fischer, die laurentio alle kennt und ein paar touriboote.

 

als wir schließlich wieder auf der donau sind, ist es windig und es gibt eine hohe dünung, die zillen fassen viel wasser, wir müssen schöpfen und vorsichtig fahren, auch laurentio, der acht jahre bei der marine gearbeitet hat, ist beeindruckt, wie schnell das wasser bei uns reinschwappt und kämpft sich zwischen all den zusätzlich wellenschlagenden schiffen durch das aufgewühlte wasser. aber wir finden sicher in den hafen und legen an der republica an. ich steuere die letzten meter, mache mein letztes anlegemanöver.

 

jetzt ist es vorbei. jetzt beginnt etwas neues. jetzt waren wir beim nullpunkt. eingemündet in den ozean, der uns umggibt. immer auf reisen. immer zu hause auf unserem boot. immer am fluss und im fluss. immer da, niemals woanders. was das alles heißt, weiß ich auch nicht. man weiß nicht, was einen hinter der nächsten flussbiegung erwartet. man weiß es nicht. man kann nur vermuten. oder einfach abwarten. erstmals nichts tun. die perspektive ändert sich sowieso ständig.

 

ich entschuldige mich für meine vielen tippfehler, dieser blog wurde auf schwankendem boot, auf zu heißen restaurantterassen, in mückenumflirrten abendstunden verfasst. oder auch mal in klimatisierten cafes. aber man will ja nicht ewig lektorieren, man will immer weiter, immer weiter…

 

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